Der Boden bewegt sich. Teil 1: Ihre Bewohner | www.graubuendenwein.ch

Der Boden bewegt sich. Teil 1: Ihre Bewohner

Artikel - Der Boden bewegt sich. Teil 1: Ihre Bewohner

Mit den nächsten Beiträgen, möchte ich unseren weinbegeisterten Leser*innen eine andere Welt vorstellen. Diese Welt ist sehr komplex und ihre Bewohner leben meistens im Dunkeln, verborgen vor unseren Augen. Bilder sind aus dem Buch: "Der Dschungel im Boden" geschrieben von Atlant Bieri und Siriporn Bieri entnommen. Zuerst möchte ich Euch die Bewohner dieser wundervollen Welt vorstellen. Dabei handelt es sich um Geschöpfe mit aussergewöhnlichen Fähigkeiten und wundersamen Aussehen, man könnte schon fast sagen ausserirdischem Aussehen. Zahlenmässig den grössten Anteil der Bevölkerung "unserer" Welt machen die Bakterien (Bild 1) aus.

Es gibt sie in allen Grössen (0.2 – 2 μm), Farben und Formen. Und das Krasseste ist ihre Anzahl, jeder Quadratmeter Boden wird von hunderten Milliarden bewohnt. Sie sind so zahlreich, dass sie sich stapeln müssen. Denn ein sich vom "Acker" machen liegt nicht drin, da die meisten ohne einen Fortbewehgungsapparat auskommen müssen. Doch im Laufe der Zeit haben sie sich zu helfen gelernt. So reisen sie Beispielsweise per Anhalter mit, dabei docken sie sich, dank ihrer klebrigen "Haut" am nächsten vorbeiziehenden Regenwurm an. Oder noch besser geschützt vor Wind und Regen im Magen des Regenwurms oder einem anderen Tier, um später am Zielort regelrecht "rausgeschissen" zu werden. So haben sie mit der Zeit alle wichtigen Schlüsselpositionen übernommen und die Fülle des Lebens, wie wir es kennen und schätzen wäre ohne sie nicht möglich.

Ein weiterer Bewohner dieser Welt ist die Assel (Bild 2). Auch sie gibt es ganz verschieden, doch die häufigste Art ist die Kellerassel. Jede*man hat sie sicher schon gesehen. Doch nicht gewusst, dass dieses Tierchen 14 Beinchen besitzt und zu den landlebenden Krebsen gehört. Die grösste Herausforderung für diese ursprünglichen Meeresbewohner war, sich auf unsere Atmung umzustellen. Witzigerweise haben sie sich nicht einen neuen "Atmungsapparat" evolutionsmässig angeschafft, sondern einfach ihre Kiemen ein bisschen umfunktioniert. Somit können sie sich unter, wie auch über Wasser aufhalten. Denn es kommt vor, dass sich ihr unterirdisches Zuhause mit Regenwasser füllt und so leben
sie halt für eine kurze Zeit wieder unter dem Wasser. Doch das ist noch nicht alles, was diese verrückten Tierchen so an Geheimnissen mit sich rumtragen. Niemand weiss, dass die Asseln eigentlich stinken wie ein ganzer Schweinestall, da man sie immer in der frischen Luft antrifft. Dieser Duft kommt erst zum Tragen, wenn man diese "Krebschen" für eine gewisse Zeit in einen geschlossenen Raum, Terrarium einschliessen
würde. Dabei handelt es sich nicht um einen möglichen Paarungsduft, sondern schlicht um ihren Urin. Dieser sondert die Assel nicht in üblicher flüssiger Form aus, nein, er wird gasförmig in die Umwelt verströmt. Diese Gas - Ammonium, kennen wir nur zu gut von den Bauernhöfen mit Kühen und Schweinen. Und ein weiteres "Wusste ich nicht" besitzen diese Tierchen. Sie lieben Kupfer über alles. Es ist soweit gekommen, dass sie ohne Kupfer nicht mehr leben können, denn sie brauchen den Kupfer, wie wir das Eisen. Mittels diesem Metall bilden sie ihren Blutfarbstoff (Hämocyanin). Diese Neuigkeit wird vorallem die Bioproduzenten freuen, so hat der Kupfer nicht nur im Pflanzenschutz seine Funktion, sondern auch für gewisse Bodenlebewesen.


Mit diesen zwei Bewohnern ist es noch lange nicht getan, denn im nächsten Beitrag stelle ich weitere kuriose Stockwerkeigentümer aus dieser spannenden Welt vor.


Autor: Walter Fromm, Rebbaukommissär